Bemerkenswert

Bücher

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IMGP0021

Taschenbücher von Harald Timm, veröffentlicht bei amazon self publishing, nicht Mitglied irgendeines „Literaturbetriebs“, Hobbyautor und Rentner mit Katze.

Bürger eines verschwundenen Landes im Exil,  ohne Heimat, jedoch gut versorgt mit allem, was es braucht zum Leben.

Franz Summer, ein Pseudonym nur für dieses Blog, sucht keine Anhänger und ist nie selbst Anhänger von wem oder was auch immer.

ohne Werbung

Liebe Zweitkatze gesucht

in 10247 Berlin, kein/e Freigänger/in, sozial, geimpft und gesund, Altersgruppe zehn bis zwölf Jahre so ungefähr :-), meine Katze ist ein bissel einsam,

wenn Sie sich trennen wollen von ihrem Liebling, melden Sie sich einfach, vielleicht sogar im Samariterviertel vorbeischauen, damit die Tierchen sich beschnuppern können… (über Kontakt)

Zeit zum Leben

All die Jahre oder
Zeit des Erwachens

„Du bist mir so vertraut geworden“, sagt die Frau und kuschelt sich an die Halsbeuge des Mannes.
„Warum sagst du denn nichts?“ fragt die Frau.
Der Mann schweigt.
Er hebt seine Hand und streicht über ihr Haar.
Sie atmet warme Luft an seine Haut.
„Ich möchte dich nie verlieren“, flüstert sie.
Sie wartet.
Er schiebt sie etwas fort zum Kissen und schlägt die Bettdecke halb beiseite, dass er aufstehen kann.
„Was ist denn los?“
„Nichts“, antwortet er, „ich mache Frühstück, schlaf‘ du noch ein wenig.“
Sie lächelt und beobachtet mit halb verhangenen Augen wie er sich den Schlafanzug anzieht.
Die Vorhänge sind noch zugezogen, und es herrscht ein nachsichtiges Halbdunkel im Schlafzimmer.
Niemals, denkt sie, niemals möchte ich mich von ihm trennen.
Sie schläft noch einmal ein mit einem Lächeln. Was wird uns das Leben bringen, denkt sie da voller Erwartung und ergibt sich der Müdigkeit, die aus der Wollust kommt, um neues zu gebären.
Im Einschlafen hört sie ihn wie gedämpft.
Der Mann geht in die Küche, sie hört den Ton der Kaffeemaschine, das Mahlwerk scheppert ein wenig.
Und dann schläft sie noch einmal fest ein. Für ein paar Minuten.

Als sie aufwacht ist es ganz still.
Im Traum hatte jemand zu ihr gesagt:
„Alles ist endlich.“

Ihr Herz schlägt auf einmal aufgeregt.
Sie springt auf und eilt zur Küche.
Niemand ist da, aber der Tisch ist gedeckt.
Sonnenstrahlen huschen nervös durchs offene Fenster.
Sie geht und schaut hinaus.
Auf der Straße lärmt der Verkehr. Aber hier oben ist alles so fern.

Was ist denn los? Ist sie nun allein?

Sie geht ins Bad und schaut in den Spiegel. Es ist still in der Wohnung. Das ist beängstigend, als würde es von Sekunde zu Sekunde stiller.
Und ihr Gesicht ist das Gesicht einer alten Frau. Sie erschrickt.
Vorbei, ist’s schon vorbei?
Das ganze Leben.
Sie wäscht sich mit kaltem Wasser.
Als sie sich abtrocknet, klappert aus dem Flur im Schloss der Wohnungstür ein Schlüsselbund.
Sie reißt die Badezimmertür auf.
Er steht da und lächelt.
„Du bist wach?“
Sie schaut ihn finster an.
„Wo warst du all die Jahre?“

Der Mann mustert sie verwundert.
„Ich habe die Zeitung aus dem Briefkasten geholt.“

Die Frau unterdrückt einen Schrei des Entsetzens.

Er ist ein alter Mann, gebeugt und grau – alt wie sie selbst… was ist denn geschehen?

„Ich komme gleich“, sagt sie schließlich irgendwie resigniert.
Doch er hört sie gar nicht, ist schon wieder in der Küche und kramt dort herum, hustet neuerdings immer so rau.
Es riecht nach Kaffee und Brötchen.
Ganz wie früher.
Er lächelt, so jung und schön, sie neigt den Kopf erwartungsvoll nach dem Frühstück.
Nach dem Frühstück ist es so schön, noch einmal im Bett zu kuscheln.
„Leg dich noch mal hin, ich komme dann nach, später dann…“
Sie liegt im Bett und trällert, all die Jahre, all die Jahre.
Sie hört seine Stimme, er telefoniert noch.
Mit wem schon wieder, ach, ist doch egal.
„Ja, ich habe euch doch erzählt, wie sie sich verändert… seid ihr denn so begriffsstutzig?… ja, ja, ja…“
Sie trällert, all die Jahre, all die Jahre.
„Meine Güte, sie ist eure Mutter, sie war ihr ganzes Leben immer für euch da… ja, ja… sie vergisst alles, habe ich gesagt, oder…“
All die Jahre, all die Jahre … münden in einem Punkt.
Als er nach ihr schaut, schläft sie, lächelnd.

Liebe ?

Gibt es sie überhaupt?

Jemand sagt, wenn man sich liebt

und getrennt wird

für lange Zeit

und sich vergisst, wenn man sich dann wiedersieht,

erkennt man sofort,

dass die Liebe nicht echt war.

Dann aber sage ich dir,

wir haben uns so lange nicht gesehen,

es sind Jahre vergangen,

aber die Sehnsucht wuchs von Jahr zu Jahr,

und nun treffe ich dich und erkenne, wie sehr ich dich inzwischen liebe,

die Liebe wuchs und wuchs ins Unergründliche,

als eine Sehnsucht des Menschlichen in mir.

nach so langer Zeit siehst du mich an und lächelst erwartungsvoll,

Darum sage ich den schönsten Satz:

„Was geht es dich an, wenn ich dich (immer noch) liebe,“

mehr und mehr.Goethe kannte ihn schon.

(Ich brauche dich jedoch nicht mehr.)

Denn inzwischen bin ich gestorben

und durch die Hölle von Lieben gegangen,

unversehrt.

Und habe erkannt, du bleibst unersetzbar

für das Ende aller Zeiten, sogar du selbst bist es nicht, als eine Illusion, nichts weiter.

Ich lebe noch und alles ist nur in mir.

Allein.

Aber die Erinnerung daran ist geblieben.

Sie ist bis heute wahr geblieben, diese unwirkliche Liebe… eine Sehnsucht, die nie erfüllt wird….nichts weiter ist die Liebe.

(dies ist kein persönlicher Text, der eine Mail braucht)

smile, man sollte die Popmusik nicht unterschätzen

(Eine kleine Internetsatire aus dem Jahr 2009, in den Tiefen meiner Festplatte gefunden. Überraschend aktuell.)

Bloggiade in China

Hallo – hallo – Raumschiff an Erde – niemand da? – Haalllooo –

Musik. Regenwetter.

Haaaallllloooo, bist du eingeschlafen – B. ruft H. – alles klar?

Ach du meine Güte, bin ja schon da da da, ich habe gerade den Braten in die Röhre geschoben, du weißt doch, ich bin immer ONLINE, auch wenn ich OUT and OFF bin, smiley, smiley, smiley

Braten in der Röhre? O nein, immer dieses real life, smiley, smiley, smiley

Hast ja recht, Moment, ich bin gleich wieder da da da da, sorry, die Taste hängt, smiley, smiley, smiley…

Regen peitscht an Fenster. Soulmusik. Sirenen im Hintergrund.

Smiley, smiley, smiley, so, ich bin da, meine Liebe, ich habe die Röhre OFFLINE genommen, die Bande kann auch abends warm essen, smiley, smiley, smiley, was gibt es Neues im Dorf…?

Grins, grins, immer das gleiche, außer von F. habe ich was gelesen…

F.? Ach, ja F., das ist doch der, der bei D. diesen Komm geschrieben hat…

Du meinst den Komm wegen der Kruzifixe im Klassenzimmer, smiley

Ja, ja, den… echt stark

Nein, den F. nicht…

Na ja, war ja auch blöd, da da da, das ist ja auch alles immer derselbe Scheiß, sorry, da da da….

He, Süße, du brauchst eine neue Tastatur, guck mal in die Seite von W., der hat da einen Link…

Smiley, grins, smiley, gerade W. , da da da landet man ja gleich auf eine Pornoseite…

Der Regen wird zum Sturm. Glas klirrt, Panzergeräusche.

Ich weiß gar nicht, was die draußen für einen Krach machen. Also, mein Schatz, welches F. meinst du denn, kusssmiley…

Du kennst doch C.?

C.?, Na klar, ist nicht zu überlesen, nach meinem Geschmack etwas penetrant, grins, grins, grins

Ja, und C. war mit V. zusammen, das weißt du doch?

Aaahja, ich habe so was gelesen in einem Beitrag von X. über über V.s Vorlieben…

Genau, genau, genau, und jetzt soll F. mit C. zusammen sein…

Nicht wirklich, da da da, der F. ist doch mindestens 20 Jahre älter als C., das alte Lustschwein…

Smiley, Schätzchen, F. ist doch Frau und C. ist Mann…

He, he, he, F. ist Frau, tolle Frau, hat echt power, gut für C., wie haben sie sich denn kennen gelernt…?

Smiley, smiley, smiley, natürlich über eine Partnerseite, sie haben beide den Test gemacht und V. und X. und D. Und… dann sind C. und F. übrig geblieben…

Geräusch von platzenden Bomben im Hintergrund. Sirenen.

Und C. ist auch nicht mehr mit V. zusammen? Da da da das ist ein Ding, grins…

Neiin, hast du denn in den letzten drei Tagen einen einzigen Komm von C. Bei V. gelesen?

In der Tat, in der Tat, in der Tat, o Gott, das ist ein Krach draußen…da da da

Geh mal auf eine Nachrichtenseite, o weia, Hauptsache du kriegst noch eine neue Tastatur, smiley, smiley, smiley….

Was steht denn da? Die Chinesen haben unser Land besetzt. O mein Gott, haben die überhaupt Internet? Jetzt kommen auch noch die Kinder und wollen einen Braten, Schätzchen, ich gehe OFFLINE…

Smiley, smiley, smiley, bis später, wir lesen uns und besorge dir bloß noch eine neue Tastatur

Vergeben und vergessen

Schlaf trunken bin ich bereit

tauche ein in tiefe Gewässer

der Vergangenheit

Bin ich trunken vor Glück

versunken und will nie zurück

in die heutige Zeit

Will vergessen langes Leben

voll Zorn und will doch vergeben

all das, was ich mir selbst angetan

was andere mir taten

vergibt sich ganz leicht

niemand muss mir raten

ihre Taten wiegen ganz leicht

und gehen mich nichts an

am Ende, das soll so sein

ist jeder für sich allein

Was die Zukunft noch bringt

ist ungewiss, eine lange Geschichte

kann warten, wie`s nur klingt,

nach was ich mich richte,

ist einerlei, wenns vorbei,

ist es so und alle sind froh

( das gilt alles nur für den Schreibenden selbst, wobei ich gar nicht mich persönlich zu manchen Dingen äußere, also mehr eine Schreibübung, nicht dass sich noch mehr per Mail bedanken :-)) Ich bin ja kein Richter, aber so manche hätten einen gebraucht, denke ich mal, das alles steht nicht in diesen eher misslungenen „Dichtversuch“.) Hier verzeiht sich jemand selbst bei sich. thats all.

Moin, eine sehr alte Geschichte

Leben in den großen Städten

Die meisten Menschen in den großen Städten leben allein. Und das ist besser so, als wenn man nach Hause kommt und dort wartet jemand mit einen stummen Vorwurf im Gesicht und auf dem Küchentisch steht ein Teller mit belegten Broten. Man kann sich noch nicht mal selbst eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank holen, ohne dass sich jemand in den Weg stellt. Zwischen den Menschen, die nicht allein leben, steht nämlich die Verzweiflung wie ein großes Gespenst, und die Verachtung hat sich längst schlafen gelegt, nur die Resignation grinst aus allen Ritzen der Wohnungen.

Wenn man allein lebt, kann man die Trostlosigkeit begrüßen, wie ein Briefmarkenalbum.

Ja, das Leben kann so langweilig sein wie ein Briefmarkenalbum.

Und das ist schön.

Man schaut sich die Tage an, wie Briefmarken. Manche sind kleiner als die anderen, manche größer und andere gleich groß, manche haben lustige Bilder, manche romantische Blumensträuße, dann gibt es welche mit Städtebildern und andere wieder mit berühmten Menschen, die dreiundzwanzig Sinfonien geschrieben haben oder sieben Kriege gewonnen, oder auch großartige Bauwerke geschaffen haben, welche nun zum Weltkulturerbe gehören, die Bauwerke gibt es in einer extra Briefmarkenreihe, man kann Köpfe von berühmten Männern anstaunen, die dreimal den Nobelpreis für Literatur bekommen haben und jetzt schon vergessen sind, außer – auf den Briefmarken. Und dann gibt es natürlich die Briefmarken mit den Pferdebildern, hundert verschiedene Rassen existieren auf der Welt, das habe ich im Internet gelesen.

Aber die Briefmarkengestalter suchen sich nur sechs heraus, ich schreibe das mal jetzt auf, dass man es sich vorstellen kann: Araber, Hannoveraner, Fjordpferd, Haflinger, Lipizzaner und dann das niedliche Shetlandpony.

Und so sind unsere Tage, wie Briefmarken eben, und die guten haben Zacken, und keine Zacke fehlt. Sie sind abgestempelt, weil sie mal irgend jemand auf die Reise schickte.

Das kann ein Soldat an der Front gewesen sein, der seiner Liebsten in der Heimat eine Feldpostkarte schickte. Bevor er wieder in den Schützengraben kroch, hat er noch die Marke beleckt und die Postkarte dem Spieß gegeben. Ich habe immer nur dich geliebt, hatte er geschrieben, bevor er den Karabiner durchlud und ihn die Kugel des Feindes traf, der gerade auch in einer anderen Sprache so eine Postkarte geschrieben hatte, je t’aime, mon amour, oder so was. Vielleicht hatte jeder von ihnen das gleiche Briefmarkensymbol gewählt, eine weiße Taube vielleicht sogar?

Das kann auch ein Blumenmädchen gewesen sein, welche dem Grafensohn in ungelenker Schrift mitteilte, dass sie nun ein Kindchen unter dem Herzen tragen würde, und dann, leb wohl, Herr Graf, in diesem Leben sehen wir uns nicht mehr wieder, ich stürz mich in den Mühlenbach. Sie hatte eine Briefmarke mit einer Klatschmohnblume drauf gewählt oder auch einen Beethovenkopf.

Wir haben sie nun alle schön abgestempelt und ordentlich und vollständig gezackt in unserem Briefmarkenalbum, dass wie ein schönes langweiliges Leben ist. Und schauen uns die Marken in elend langen Sonntagnachmittagen an und versuchen uns zu erinnern an unsere Tage. Irgendwann ermüdet unser Auge, irgendwie sieht eine Marke aus wie die andere, es ist so schwer, sich zu erinnern. Dann fangen wir an zu gähnen, schlagen das Briefmarkenalbum zu und kriechen auf die Couch für ein Schläfchen.

Aber nicht alle Tage sind so glückselig langweilig. Man weiß ja nie, was noch kommt. Ein russischer Zar kann Deutschland erobern und man wird in die Verbannung nach Kasachstan geschickt. Männer in grünen Ledermänteln erscheinen und führen einem ab zum Transport in einen Güterzug.

Man darf nur eine Tasche mitnehmen mit ein paar Socken und Unterhosen zum wechseln, obendrauf legt man noch das Briefmarkenalbum. Und man verlässt die große Stadt, um nur noch von ihr zu träumen.

Nach vier Wochen Transport landet man in einem einsamen Gehöft inmitten der kasachischen Steppe, und dort existiert noch nicht einmal ein Internetanschluss. Im Winter sind nachts fünfzig Grad Celsius minus und im Sommer tagsüber fünfzig Grad plus. Einmal in der Woche hält die Eisenbahn und ein altes Mütterchen bringt ein Päckchen Tabak, einen großen Topf Soljanka und eine Flasche Wodka.

Dann verbringt man seine Zeit damit, dass Briefmarkenalbum anzugucken. Nachts heulen die Wölfe und am Tage sieht man in der Ferne eine Kamelkarawane.

Dann erinnert man sich an eine außergewöhnlich schönen Frau, die man mal im Internet gesehen hatte, eine Frau in blauweißglänzender Unterwäsche und mit brauner Haut und blauschwarzglänzenden Haaren. Jeden Tag sitzt man da, das aufgeschlagenen Briefmarkenalbum auf dem wackligen Holztisch vor sich und schaut aus dem Fenster mit brennenden Augen und träumt von der schönen Frau. Irgendwann schreibt man dann einen langen Liebesbrief, in dem man der Frau mitteilt, wenn sie traurig sein sollte, biete man ihr an, sie könne einem besuchen kommen und man würde sie nachts in die Arme nehmen, wenn sie nichts weiter trägt als die blauweißglänzende Unterwäsche, und man würde sie trösten, sie könne dann ruhig weinen.

Diesen Brief gibt man dann einen Tag, wenn die Eisenbahn hält, dem Mütterchen mit auf dem Weg mit dem Auftrag, die Adresse der schönen Frau zu finden, eine Briefmarke mit dem Eiffelturm darauf zu kleben und abzuschicken.

Eines Tages bringt dann das Mütterchen den Antwortbrief der schönen Frau, in dem diese schreibt, sie habe herzhaft gelacht, aber wenn sie mal traurig sein sollte, käme sie bestimmt in die kasachische Steppe zu dem einsamen Gehöft. Ihre Briefmarke ist vielleicht das Bild einer roten Rose.

Man löst sie ganz vorsichtig ab und tut sie zu den anderen Briefmarken ins Album, wieder einen Tag geschafft… ja.

Manchmal ist das Leben so in den großen Städten, wie ein Briefmarkenalbum in Kasachstan.

Man kann auch beschließen zu Hause zu bleiben, wenn man denn ein Obdach hat in der großen Stadt. Das ist vielleicht das wichtigste, ein Obdach zu haben. Wir wollen einen Moment inne halten und an die Obdachlosen denken in den großen Städten. Sie liegen auf den kalten Bänken der U-Bahn-Stationen und wenn die Familien vorbei schlendern, fragen manchmal die Kinder: Papa, warum liegt denn der Mann da? Guck nicht hin, sagt dann der Papa und fasst das Kind ein wenig fester an. Sie steigen in die U-Bahn und fahren drei Stationen, um in die Kirche zu gehen, wenn es gerade ein Sonntagvormittag ist.

Nun wir haben ein Obdach und liegen auf der Couch und schauen auf unsere große Zehen und wackeln damit. Dann können wir uns wieder hinaus träumen aus der großen Stadt, weil wir neulich eine schöne Brasilianerin im Internet gesehen haben. Und das geht dann so auszuhalten, aber es muss unbedingt gerade regnen.

Manchmal ist man auch ausgebrannt. Das geht so:

Ich bin einmal in einer kleinen Kneipe gewesen, in der ich früher öfter mal war. Warum sollte ich nicht wieder einmal ein Bier hier zischen, habe ich mir gesagt und kehrte ein. Der Kellner, der gleichzeitig der Inhaber ist, freute sich und brachte mir sofort ein frisch gezapftes Bier. In einer Ecke saßen am Tisch vielleicht vier oder fünf Frauen und feierten lautstark, obwohl es nicht an einem achten März war, dem Internationalen Frauentag. Ihr Lachen schallte durch die ganze Kneipe, eine sagte irgend etwas, eine andere antwortete und dann lachten allesamt wieder laut schallend. Gackernde Hühner, ich lehnte mich zurück, um mir die hübscheste zum Beobachten auszusuchen. Vielleicht fiel während so einer Lachsalve, ein etwas irritierter Blick für mich ab. In der Mitte saß ein Liebespaar und hielt sich Händchen, und schaute sich seufzend in die Augen, es trank roten Wein.

Der Kellner und Inhaber plauderte ein wenig mit mir. Seine Frau war eine Bahnpolizistin und ein Betrunkener hatte ihr vor einer Woche den Arm gebrochen, und jetzt saß sie zu Hause und guckte Talkshows

Es war ein ganz normaler Tag mit einem ganzen normalen Leben ringsumher. Wir schwatzten dieses und jenes. Ab und zu traf mich der feurige Blick einer Schwarzhaarigen vom Frauentisch, das Liebespaar küsste sich scheu.

Da sah ich den einsamen Mann an der Bar sitzen. Ganz in der Ecke saß er, völlig unauffällig, wie ein grauer Stein. Er guckte vor sich hin, aber nicht so, als wenn er über etwas nachdenken würde. Er beobachtete auch keine alberne Frauengruppe, die herum gackert wie eine Hühnerschar. Er beobachtete nicht das scheue Liebespaar, geschweige denn den Kellner und Inhaber und mich im Gespräch über seine Frau mit dem gebrochenen Arm.

Ich winkte den Kellner und Inhaber näher heran und flüsterte, was mit diesem Mann sei. Er flüsterte zurück.

Dieser Mann sitzt wie ein Stein am Tresen und trinkt mit einer völligen Teilnahmslosigkeit sein Bier. Alle fünf Minuten einen Schluck, man könne seine Uhr danach stellen. Er verzieht nicht die Miene, dieser Mann ist völlig ausgebrannt. So der Kellner und Inhaber.

Mein Gott, sagte ich, das ist ja furchtbar, der Mann hat seine Neugierde verloren.

Ich nahm mein Bier in die Hand und setzte mich neben den Mann aus Stein.

Wir saßen minutenlang und schwiegen und alle fünf Minuten trank er einen Schluck Bier. Ich versuchte über den Spiegel einen Blick von ihm zu erhaschen, aber der Spiegel war leer, da saß nur ich. Und ich erschrak mich… in der großen Stadt…

Kampfpanzer?

https://www.t-online.de/nachrichten/ukraine/id_100115338/kampfpanzer-fuer-die-ukraine-das-waere-ein-zeichen-der-widergutmachung-.html

Die t-online-Leserin schreibt weiter: „Ich dagegen zittere jeden Morgen vor den Informationen aus der Ukraine und könnte ständig all die Toten beweinen, die aus jedem einzigen Tag des Zögerns und Zauderns hervorgehen. Es ist ein einziges Trauerspiel.“

Wenn das Trauerspiel endlich enden soll, müssen wir die Waffenlieferungen stoppen-

na gute Nacht, Marie

Hoffentlich bleiben

die führenden Politiker verantwortungsbewusst und ich vermute mal, sie bleiben auf der Seite der Mehrheit des deutschen, sondern auch des ukrainischen Volkes und auch des russischen… friedliebend, statt kriegsgeil wie die Kindergartengruppe der t-online Journalisten, Abrüstung statt Aufrüstung, Gespräche statt Schießen… Panzer sind nur ein Geschäft für Rüstungslobby, zögern Sie weiter, Damen und Herren Politiker, und sie werden gewählt

https://www.t-online.de/nachrichten/ukraine/id_100115486/keine-leopard-panzer-fuer-die-ukraine-ramstein-blamage-fuer-deutschland.html

Am Dienstag geht’s weiter

Hier eine Zusammenfassung, bei der ich mal ausnahmsweise nichts zu meckern habe, während ich in anderen Zeitungen schon so was wie von „Geschichtsfälschung“ gelesen habe, schon klar, der Adenauerstaat kommt nicht so gut weg in dieser Serie….

https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/tv-medien/ard-serie-bonn-alte-freunde-neue-feinde-kampf-der-geheimdienste-li.307506

„Der Antikommunismus ist die Grundtorheit unserer Epoche“ ( Thomas Mann nach dem Ende des 2. Weltkriegs, Nun ja, als junger Mann hatte er sich noch für den Beginn des 1. Weltkriegs begeistert, aber vielleicht war er später weiser geworden, ich selbst bleibe skeptisch gegen „Weisheiten“ aller Art, von wem auch immer)

gute Nacht, Marie